Yes friends, here it is: der hochoffiziöse Kommentar von Loretta-Mastermind Andreas Sauer zu jedem einzelnen Song des Albums "Goodbye". 

Lauter traurige Lieder, wie Andreas selbst immer verspricht. Mit lauter schön-traurigen Geschichten dahinter.

1. "Carlotta's Sleeping". Eine Eloge auf die Familie, zack! storniert mit der letzten Liedzeile. Gaststar Ahlie Schaubel mußte sich ganz schön demütigen lassen, bis ihre Vocals vor den Ohren des (nach einer achtstündigen Mammutsession völlig geschafften) Producers Tommy Newton Gnade fanden.

2. "She'd Rather Bleed". Irgendwann begann die seriöse Rockkritik, die Band mit (dem zwar geschätzten, aber nicht direkten Einfluß) Tom Petty zu vergleichen. Tja, und irgendwann setzte sich Andreas Sauer tatsächlich hin, um einen Tom-Petty-Song zu schreiben. Die Lyrics handeln von falschem Stolz.

3. "The Day I Cut My Wrists". Barbara Manning lernte die Band über ihre Freunde Flavio und Fabrizio Steinbach kennen, die diese als Go-Luckys! begleiten. Wie Sauer ein großer Daniel-Clowes-Fan, war sie sofort für einen slightly morbiden Song wie diesen zu haben. Das Intro spricht Maharadji, Erlöser kraft MusiCassette.

4. "Everything's Fucked Up". Sauer schrieb das Stück nach einem Gig der Ex-Helden Wilco, der ihm seinen, naja, Mangel an Begeisterung für wasauchimmer vor Augen führte. Die Zeile „Meals don‘t taste/like they used to do" stammt aus einem Test für schizophrene Patienten. Lambchop goes Scott Walker.

5. "Turn Blue". Geschrieben ca. 1988 (mit Ex-Gitarrist Muff Spörl), zeugen die Akkordwechsel klar von der damaligen Begeisterung für die australischen Punk-&-Pomp-Heroen The Saints. Drummer Manuel Pfoh gibt sein Bestes, um das Eifersuchtsdrama auch akustisch fühlbar zu machen.

6. "Love in a Teabag". Dave Kusworth, für den man 1997 auf einer Deutschlandtour Support spielte, war während der Aufnahmen zufällig im Lande. „I got a voice & two hands, so, what do you want me to do?" Ein unglaublicher Moment, wenn einer, dessen Platten man seit 15 Jahren bewundert, auf der eigenen zu hören ist.

7. "Eyes like Kool Elevators". Nach wie vor heißt die Aufgabe, eine Nachfolgesingle zu „Let it be" zu schaffen. Dies stellt einen weiteren Versuch dar. Die Lyrics sind ziemlich düster, Indifferenz, Verzweiflung, Menschen-auf-der-Suche-nach-Liebe und all der Scheiß... Michel Houellebecq revisited.

8. "Sweet Piece". Ein Song übers Essen. Und darüber, Dinge verdauen zu müssen. Oder, mit Bassist Thomas „Dork" Herrmann zu sprechen: „Ich hätte nie gedacht, daß mir Food mal so viel bedeuten könnte." Barbara Manning saß auf dem Studiosofa und sang die Harmonie schon mit, als sie die Aufnahme zum ersten Mal hörte.

9. "Here Comes the Night". Loretta-&-the- Chipmunks-Old-School. Natürlich wesentlich filigraner (Klaus‘ E-Bow, Ahlies Vocals) als vor zehn Jahren, als man wirklich noch The Jazz Butcher sein wollte. Der Protagonist muß erkennen, daß ihn seine subjektiven Talente objektiv zur Witzfigur machen.

10. "Mott the Hoople". ...meets T. Rex meets Wishbone Ash (!). Textlich von arger Zerwirrnis geprägt, gelingen dem Song musikalisch ein paar schöne Schlenker - man beachte die Bridge und das sich auftürmende Finale (nichts ist schöner, als wenn alle Einzelteile am Schluß zusammen geführt werden!).

11. "Life on 45". Irgendwie geht‘s um den Selbstmord eines entfernten Bekannten, nachdem dieser versucht hatte, seine Exfreundin zu vergewaltigen (puh!). Und irgendwie auch um den überaus heilsamen Schock des Todes auf die Weiterlebenden. Dave K. an der Sologitarre.

12. "Over You". Zwei komplette Studiotage für nicht mal anderthalb Minuten Spielzeit. Intro und Outro sind geborgt bei Dean Martins „I‘ll Hold You in My Heart", die Gitarre gehörte mal Caterina Valente (echt!). Der Text? spricht für sich: „After all/ I‘m over you".

13. "Nick Drake Party". Vielleicht der beste Loretta-Song ever. Sicher die besten Lyrics: „To touch you was like going to a party/ I never was invited to I guess". Und ein sicherer Anwärter auf den George-Harrison-Gedächtnis-Solo-Award. Udo Rinklins Streicherarrangement ist superb.

14. "The Day You Cut Your Wrists". Der erste Loretta-Song ohne Sauer-Leadgesang. Gitarrist Klaus Paul mußte nur zwei Wörter tauschen, um den Text von „The Day I Cut My Wrists" noch gruseliger zu machen als das Original. Aufgenommen per Diktaphon, ist der Song Skizze und Coda des Albums zugleich.