"Da ist jemand, der die Dinge auf seine Weise machen will. Lassen wir ihn ein bisschen älter werden und Erfahrung sammeln. Dann könnte Franz Kasper durchaus für Überraschungen sorgen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung 27. November 2001)

Kaum ein Jahr nach dem Debüt THE FREE-WHEELING FRANZ KASPER erscheint bereits das zweite Album THE NEW ROCKIN`CHAIR, mit dem der Kölner Sänger, Komponist und Pianist wahrscheinlich nicht nur den gestrengen Feuilletonisten der FAZ überraschen wird. "Singer/Songwriter" scheint noch die einleuchtendste Beschreibung zu sein, für das, was Franz darstellt.

Für sein erstes Album wurde er in wohlmeinenden bis euphorischen Kritiken noch mit den ganz Großen des Genres verglichen, und das reichte tatsächlich von Todd Rundgren, Nick Drake, Flaming Lips, sogar Beck und Brian Wilson, bis zu Scott Walker und Randy Newman (dabei waren dem jungen Mann die meisten dieser Musiker noch völlig unbekannt). Durchaus gedacht als Kompliment macht das weite Spektrum der Vergleiche aber auch die Verlegenheit und Ratlosigkeit der Kritiker bei der Beschreibung dieses eigensinnigen Ausnahmetalents deutlich. 

Anders als bei seinem Debüt, das Franz noch im Alleingang aufgenommen hat, wurde THE NEW ROCKIN' CHAIR (der Albumtitel verweist auf einen Song von Hoagy Carmichael) mit den Musikern seines akustischen Ensembles THE VIOLIN VIOLENCE eingespielt. Die Band setzt sich aus jungen Musikern der Genres Rock, Klassik und Jazz zusammen, und es gleicht schon einem Mysterium, wie es Franz gelingt diese (nicht nur musikalisch) sehr verschiedenen Charaktere unter einen Hut zu bringen. Aber diese Mischung funktioniert –und funkelt.

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In dem für seine Jazzaufnahmen, klassische und E-Musik renommierten Kölner Loft Studio wurde das neue Album live aufgenommen von Tonmeister Christian Heck –für ihn eine ganz neue Herausforderung: denn wenn es bei Franz Kasper GO, GO, GO! heißt, rockt die Truppe auch mächtig los. Obwohl Franz seine wunderbaren Melodien immer noch mit einer ganz individuellen, fast naiven Melange aus Pop, Jazz und Klassik umgibt, kommt das neue Album "erwachsener" und stilistisch geschlossener daher. Auf elektronischen Elemente wurde gänzlich verzichtet, stattdessen gibt es eine klassische rhythm section.

Im Medley ON MY MIND/ONE DAY, wo er zwei seiner Songs aus THE FREE-WHEELING mit seinen Musikern neu interpretiert, wird der Unterschied in der Herangehensweise an die Songs deutlich hörbar. Die inspirierte Truppe folgt den Ideen ihres Bandleaders mit großem Enthusiasmus. Und genau so hören sich FRANZ KASPER & THE VIOLIN VIOLENCE jetzt auch auf der Bühne an.

Mit THE NEW ROCKIN' CHAIR hat Franz bei aller neu gewonnenen, deutlich hörbaren "Reife" allerdings immer noch nicht den Charme, die Leichtigkeit und den Humor seines Vorjahresdebuts abgelegt. Dass er in Zeiten wie diesen so sorglos an Markt- und Formatmechanismen vorbeimusiziert, gibt dem Album sogar einen Hauch von selten gehörter musikalischen Unschuld.

Konsequent und ohne einen Gedanken an aktuelle Musikströmungen zu verschwenden, hat Franz seinen musikalischen Individualismus verdichtet und kann schon mit seinem zweiten Album unverwechselbar werden. Die Entwicklung, die der junge Sänger in noch nicht mal einem Jahr gemacht hat, sucht ihresgleichen!

Nachtrag: In einem Interview befragt, was er einmal machen werde, wenn er sich von seinem Charisma auch etwas kaufen könne (Drogen? Landbesitz? Sex? Alkohol?), antwortete Franz: "Meine Musiker anständig bezahlen!"

Soundcheck

| All I need to |

| Please yourself |

| Go, go go |