Marc Mega's Bekenntnisse

1. ZeitZeit. "Die Zeit spinnt graue Fäden in Dein Hirn und macht es kalt. Und wenn Du in den Spiegel schaust, dann bist Du tausend Jahre alt." Als ich 1995 diesen Text schrieb, war ich gerade 20 Jahre alt. Dennoch kam es mir so vor, als hätten all die anderen in meinem Alter mir nichts (mehr) zu sagen. (Das geht mir übrigens heute noch so) . Ich hatte in kurzer Zeit eine Menge Sachen erlebt, die ich irgendwie zu verdauen hatte. Das Problem war, ich konnte mich weder an bestimmte wichtige Zusammenhänge erinnern, noch wusste ich, wie es zu bestimmten - für mich manchmal lebenswichtigen – Ereignissen gekommen war. Eigentlich konnte ich mich im Rückblick meist nicht einmal an das Jahr erinnern, in dem etwas Bestimmtes geschehen war. Da fühlte ich mich irgendwie alt. Ich habe in den folgenden Jahren versucht, ein bißchen weniger zu rauchen....

2. 40 Sterne. Kurz , aber prägnant ist dieser Song, den ich zu einem der besten Liebeslieder zähle, die Fehlstart je hervorgebracht hat. Grob gesagt geht es um das tragische Schicksal einer ewig dauernden Liebe, die einen nicht los lässt, so sehr man sich auch gegen die eigenen Gefühle wehrt. Und irgendwann setzt man dem Ganzen dann ein grausames Ende. (?!?)

3. Boykott. Siehe rechte Spalte. 

4. Schrei es raus. Heisst eigentlich "Halt Dein Maul!" . Seid dumm, kümmert Euch nur um Euren eigenen Dreck. Hinterfragt nichts! Und beschwert Euch nicht, wenn Ihr von Euren Kindern später einmal dafür zur Verantwortung gezogen werdet!

5. Steh Aufschlag. Heisst eigentlich nur "Steh auf!" Der Fehler ist irgendwie in der Druckerei passiert. Thematisch dreht sich alles eigentlich um die sog. "Dumm-Punks". Spinner, die glauben mit gesteigerter Asozialität, offenkundiger Dummheit und politischem Desinteresse Punkrock zu verkörpern. Intolerant und Gewalttätig wie ihre erklärten Feindbilder. Fickt euch! Ihr seid keine Punks! Steht auf, wenn euch was nicht passt ! Wehrt euch !! Verkörpert doch nicht das "Musterbeispiel für den Asozialen Arsch". Ihr seid so, wie alle es wollen .

6. Allein machen sie Dich ein. Der Text ist von Rio Reiser. Eigentlich hatten wir uns geschworen, niemals irgendetwas zu covern. Als wir jedoch gefragt wurden, ob wir den legendären Song von Rio und den Scherben covern wollten, waren wir sofort begeistert. (Asche über Dein Haupt, wenn Du nicht weißt, wer Rio Reiser war). Wenn wir es in absehbarer Zeit einmal wieder schaffen sollten, alle intelligenten Köpfe zu mobilisieren und zu organisieren, können wir sehr wohl etwas verändern. (Das haben uns die Generationen der 60er und der 70er Jahre wenigstens ansatzweise gezeigt) Ich glaub jedenfalls daran!

8. Anja. Anja war jahrelang ( so von 1991 – 98) DAS Live –Lied. Schwachsinniger Text + Hookline Refrain, bei dem alle mitgröhlen können. Das zeichnet Hits seit eh und je aus!

10. Friss Dich. Komisch. Als ich den Text geschrieben habe, dachte ich, es wäre ein unmissverständliches Lied über Drogensucht. (Ich hatte damals leider erfolglos versucht, einer guten Freundin eine private Entziehungskur zu verpassen und war leidlich deprimiert.) In den Jahren nach Erscheinen der "Boykott" habe ich zunehmend Menschen getroffen, die aus "Friss Dich" ein Liebeslied heraus gedeutet hatten. Ich muss sagen, das gefällt mir mindestens genau so gut.

11. Alles schwarz. Dieses Lied ist für Jörg. Jörg ließ sich im Alter von 16 unter dem Einfluss von zwei Röhrchen Speed und einer Menge Alk im Morgengrauen von der S-Bahn überfahren. Dieses Lied ist KEIN Anti-Drogen Song! Der Text stellt lediglich das Einzelschicksal von Jörg, meine Beziehung zu ihm und die Perversität seines Todes dar. Das Erschreckende für mich war, dass er mehr als vier Stunden mit dem Hals auf den Gleisen auf den Zug gewartet haben muss. Ich wüsste gerne, was in dieser Zeit so alles durch seinen Kopf gegangen ist. Keiner hatte mit dieser, seiner Entscheidung gerechnet. Keiner hat seine Signale vernommen. Und auch nach seinem Tod hat niemand das Warum entschlüsseln können. Zwei seiner Bekannten hat seine Tat in die Anstalt getrieben; seine Eltern sind nach acht verstrichenen Jahren noch immer psychische Wracks. Deshalb : Passt ein bisschen gegenseitig auf einander auf. Und achtet vor allem darauf, dass ihr euch das richtige Zeux ausschließlich in den richtigen Momenten dafür gebt. Dann gibt´s euch bestimmt auch noch ne Weile.

12. Julia. Es ist nie zu spät – für ein bisschen Pubertät... Julia hat Bandintern den Namen "Klaus IV", da es sich eigentlich um den letzten von vier Songs über den Anti–Helden Klaus handelt. Macht Spass als Opener. Haben wir allerdings auch schon seit einigen Jahren nicht mehr gespielt.

14. Benni´s Hirn. Ich glaube, da ist uns ein wirklich lustiges Lied übers Kiffen gelungen. Macht einfach Spass zu spielen. Live bringen wir das Teil manchmal mit original bayerisch–anarchistischer Blaskapelle. In Teilen ist es ein autobiographisches Lied. Legalize it!

15. Fünfzehn? (Geheimer Remix von Hanno)

 

Boykott. Herrlicher Song! Eigentlich entstand "Boykott" aus einer Trotzreaktion heraus : Ich bekam irgendwann 1995 den Kommentar zu hören : "Ihr habt ja wirklich schöne Lieder, aber schreibt doch mal so nen richtigen Punksong!" Das regte mich irgendwie auf. Bis dato war ich davon überzeugt, jede Menge guter Punksongs geschrieben zu haben. Also schmierte ich kurz entschlossen in 10 Minuten S-Bahn fahrt den Text, der eigentlich irgendwie ironisch und überzogen dieses seltsame Punk – tum persiflieren sollte, auf einen Zettel und fertig war der Song. Dass das Lied die reine Wahrheit berichtet, haben sich die angesprochenen Personen, Institutionen und Gesellschaftssysteme selbst zuzuschreiben!